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Rhein Main Presse WORMSER STADTTEILE Dienstag, 14. Dezember 2010 _______________________________________________________________________________________________________
Fröhliche Weihnachtsparty im Nieselregen
TURMBLASEN Pfeddersheimer lassen sich nicht vom Wetter beeindrucken / Musik, Glühwein und heiter-derbe Pfarrersgeschichte

Von Ulrike Schäfer
Pfeddersheim. Es war wie eine fröhliche Weihnachtsparty, das siebte Turmblasen am Sonntagabend in Pfeddersheim! Schon lange vor halb sechs hatten sich auf dem stimmungsvoll beleuchteten Platz vor der Kirche zahlreiche Menschen zu einem gemütlichen Stelldichein eingefunden. Ganze Gruppen und viele Familien mit kleinen Kindern, die bis zur Nasenspitze warm eingepackt waren.Das war auch nötig, denn ehe die Bläser des Katholischen Kirchenmusikvereins die Posaunen zum ersten Mal an die Lippen setzten, begann es sachte zu tröpfeln. Die feierfreudigen Pfeddersheimer ließen sich nicht dadurch die Laune verderben, sie drapierten die Schals um den Kopf oder spannten die Schirme auf und wärmten sich mit einem Becher heißen Glühweins auf.
Zeltdach schützt “Bodentruppe”
Hoch auf dem hell erleuchteten alten Turm der Simultankirche standen die Posaunisten und stimmten die Menschen mit dem Choral “Vom Himmel hoch, da komm ich her” auf die kommende vorweihnachtliche Stunde ein. Wettergeschützt unter einem großen Zeltdach antwortete die “Bodentruppe” der Musiker vielstimmig von unten.
Bereits zum siebten Mal organisierte der Kirchenmusikverein das Turmblasen, schmückte den Platz, sorgte für Stände mit Glühwein,Kinderpunsch, Bratwurst und Knusperstangen. “Greifen Sie zu!” forderte Vorsitzender Bernd Reidenbach die Besucher auf. “Der Erlös ist für einen guten Zweck bestimmt”. Welcher es in diesem Jahr sein würde, wollte man allerdings erst noch festlegen.
Ermuntert von Dirigent Josef Töngi, doch von den auf den Stehtischen ausgelegten Liedblättern Gebrauch zu machen, waren schon bald die ersten zaghaften Stimmen zu hören, und kurz darauf erklangen die alten Weihnachtslieder andächtig über den Platz, Lieder, die man schon seit Generationen kennt und die jeder mit seligen Kindertagen verbindet: “Alle Jahre wieder”, “Kling, Glöckchen, klingeling”, “Herbei, o ihr Gläubigen”, “Kommet ihr Hirten” und “Süßer die Glocken nie klingen”.
Für die Freunde heiter-derber Geschichten hatte Pfarrer Dr. Ralf Stroh ein Gedicht mitgebracht, das vielleicht nicht ganz zu Weihnachten passte, wohl aber zur kalten Jahreszeit. Da nötigte eine etwas vernachlässigte Ehefrau ihren unwilligen Gatten zu einem Spaziergang im verschneiten Taunus. Dieser Gang gestaltete sich freilich anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Wegen vieler Staus auf den Strassen war der Tank des Familienautos nur allzu früh leer, und “die Olle” musste sich mit dem Benzinkanister auf den Weg zur nächsten Tankstelle machen. Der schlaue Ehemann lieh sich indessen ein wenig Sprit vom Vordermann aus und holte sein Nickerchen nach. Wen wundert´s, wenn danach die Stimmung auch zu Hause eisig war?
Andachtsjodler und “white Christmas”
Auf dem Kirchplatz blieb sie jedoch allerbestens, woran wohl auch der Glühwein nicht ganz unschuldig war. Mit “Ihr Kinderlein kommet !”, das Josef Töngi dem zweijährigen Paul widmete, der an diesem Tag Geburtstag hatte, endete der “offizielle” Teil des Turmblasens. Nach dem feierliche Andachtsjodler legten die Musiker dann mit “White Christmas” so richtig los, und alles swingte mit.
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